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Contentdiebe – dreister geht immer

Seit einigen Jahren betreibe ich unter www.weltspartag.net eine kleine Infoseite zum Weltspartag. Da ich die Tradition schön finde und mich gerne an die Weltspartage meine eigenen Kindheit erinnere, habe ich einen recht ausführlichen Text dazu erstellt und die Hintergründe etwas beleuchtet.

Leider fühlen sich jedes Jahr zahlreiche andere Webseiten dazu ermuntert, meine Texte ganz oder in Auszügen zu übernehmen. Nein, dabei handelt es sich keineswegs um unbedarfte Schüler mit Hobbyprojekten oder spammige Content-Farmen, sondern um, nun ja, etwas größere Kaliber. In den letzten Jahren waren unter den Content-Dieben mehrere Zeitungen, ein Fernsehsender, mehrere Banken und viele andere große Plattformen, die entweder zu dumm oder zu faul sind, eigenen Content zu verfassen oder auch nur einen Quellenlink anzugeben. Ein paar hübsche Beispiele dazu habe ich hier zusammengetragen.

Sparkasse Schwaz AG

Gleich zu Beginn mein Lieblings-Beispiel: die Sparkasse Schwaz AG aus Österreich. In einer Pressemitteilung wurde dem dortigen Vorstandsdirektor (klingt hochgradig seriös, nicht wahr?) ein mehrzeiliges Zitat in den Mund gelegt. Ich nehme einfach mal an, dass ein schusseliger PR-Praktikant die Meldung verfasst hat. Dem Herrn Direktor wäre nämlich sicher aufgefallen, dass das, was er da gerade ins virtuelle Mikrofon spricht, 1:1 meiner Website entstammt. Also schauen wir mal, was Vorstandsdirektor Harald Wanke da so erklärt:

Ah ja, interessant. Bis auf einen kleinen Einschub entstammt der gesamte Absatz wortwörtlich meiner Website, erklärt Social Media-Berater-Direktor Felix Beilharz.

Hypo Landesbank Voralberg

Die Österreicher haben es offenbar faustdick hinter den Ohren. Die Landesbank Voralberg legt zwar ihrem Vorstand keine dubiosen Zitate in den Mund, bedient sich aber trotzdem gerne am Content anderer Seiten. So begab es sich, dass die Landesbank (bis zur Finanzkrise hat mir so ein Wort wie „Landesbank“ übrigens immer gehörigen Respekt eingeflößt…) mal eben 415 Worte meiner Website übernahm.

Zumindest hat man sich den Text dort ganz durchgelesen, denn einen Verweis auf die Sparkassen wurde entfernt und durch „alle Banken“ ersetzt. Dreist oder dreist?

Ach ja, wenn man sich mal den Wertekodex der Landesbank durchliest, stehen da Dinge wie „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern viel – hohe Qualifikation, kluge Lösungen, starken Einsatz und loyale Haltung. “ oder „Vom ersten Augenblick, ersten Mausklick und ersten Handschlag an soll unser Kunde stets eines haben – ein gutes Gefühl“. Ich muss schon sagen, es freut mich, dass meine Texte dem Kunden ein gutes Gefühl beim ersten Mausklick geben und den Mitarbeitern die hohen Anforderungen etwas erleichtern…

Sparkasse Nördlingen

Nur die Österreicher bedienen sich in Gutenberg’scher Manier? Mitnichten. Auch deutsche Banken und Sparkassen machen sich die Arbeit gerne etwas leichter. Die Sparkasse Nördlingen erfreut ihre Besucher ebenfalls mit meinen Texten:

ERGO Direktionsagentur Iserlohn

Doch nicht nur Banken halten es mit dem Urheberrecht nicht so genau, auch andere Branchen sind davon betroffen. Die Direktionsagentur Iserlohn der ERGO-Versicherung infomiert ihre Facebook-Fans am Weltspartag ebenfalls gerne mit fremden Inhalten. Quellenangabe? Auch hier Fehlanzeige. Auf meinen Kommentar unter dem Posting erfolgte übrigens keine Reaktion – Social Media at its best…

Lustigerweise war die geklaute Stelle sogar die gleiche, die auch der Sparkassendirektor als Zitat verwendet hat. Wäre es nicht lustig, wenn er sich jetzt bei der ERGO-Agentur darüber beschweren würde, dass sie ungefragt sein Zitat übernehmen?

Das soll es für heute gewesen sein. Leider gibt es noch viel mehr Seiten, die die Texte einfach übernehmen: mehrere Zeitungen stehen noch auf meiner Liste, in einem Fall sogar von einem Chefredakteur persönlich verfasst. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden (Quelle: Ende, Michael: Die unendliche Geschichte).



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Kommentare


Andy 10. November 2012 um 6:53

Mich würde mal interessieren wie du gegen diese Content Diebe vorgehst?

Antworten

Johannes 10. November 2012 um 12:02

Also der Direktor ist echt der Beste von allen. Traurig!

Antworten

Marcell 10. November 2012 um 12:55

Jetzt sei mal nicht so kleinlich, vielleicht haben diese armen Menschen ja nur durch ZUFALL genau den gleichen Text geschrieben! Nein, im Ernst – abmahnen mit Anwalt bis zu Gehtnichtmehr, so eine Dreistigkeit gerade von Unternehmen aus der Finanzbranche ist schlichtweg unerhört!

Antworten

Ivo 10. November 2012 um 13:56

Du solltest Stolz auf den Autor sein. Dennoch sehe ich das wie Marcell. Anwalt einschalten und Weihnachtsgeld abholen.

Grüße Ivo

Antworten

Carsten Weddig 10. November 2012 um 14:03

Unglaublich, eigentlich zum lachen wenn es nicht so traurig wäre.

Antworten

Malte Koj 10. November 2012 um 14:07

Ich möchte Marcell dort hunderprozentig bestätigen. Die haben auch kein Verständnis, wenn von Kundenseite Verträge nicht eingehalten werden.

Bei kleinen Seiten und einem netten Gespräch kann man darauf verzichten. Aber nicht bei denen!

Antworten

Frank 21. November 2012 um 19:01

Insbesondere suchmaschinenoptimierte Texte geniessen besonderen Schutz, auch vor Gericht. Innerhalb von D (also Iserlohn und Nördlingen) und sofern der Textdieb einigermaßen solvent ist (was in den angegebenen Fällen vorausgesetzt werden kann), könnte eine Klage lohnen.
Und in der Frage, wer als Erster veröffentlicht hat, habe ich die Erfahrung gemacht, dass archive.org von Richtern akzeptiert wird.

Antworten

An Christian Zwettler, Österreich. – Besserwerberblog • Marketing für Besserwerber 23. November 2012 um 12:07

[…] der beste Marketing-Text aller Zeiten ist? Das Lob nehmen wir gern, die 3.000 Euro auch. Auch andere können ein Liedlein singen Geschrieben von Frank Herold in Internet-Marketing 0 Kommentare – 0 Trackbacks Tags für diesen […]

Antworten

Pascal 8. November 2013 um 23:52

Klagen und gut ist. Hatte für den Springer Verlag und die Ostsee-Zeitung auch kein Verständnis – die zuständigen Gerichte ebenso wenig als man mir Bilder klaute…

Antworten

Sharif 9. November 2013 um 1:39

Naja, dass mit dem Content-Diebstahl ist so eine Sache. Man nehme z. B. das Auto, der Grundstein dafür wurde auch in unterschiedlichen Zeitabschnitten in unterschiedlichen Ländern entwickelt. Ähnlich ist das mit der deutschen Sprache. Nur vierhundert Worte oder mehr, das ist unwahrscheinlich, dass es sich hierbei um einen Zufall handelt.

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