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Kleine Displays, unverständliches Denglisch – Social Media und die Generation 50+

Social Media sind für meine Altersgruppe (25-31 *g*) ein fester Bestandteil des Alltags. Kaum ein Restaurantbesuch verläuft ohne Check-In, Facebook ist im Browser ständig geöffnet. Und je jünger die Zielgruppen, desto weniger können sie sich ein Leben ohne Social Media überhaupt vorstellen.

Doch wie sieht es mit der älteren Bevölkerung aus? Wie nutzt die Generation 50+, die so genannten Silver Surfer, das Social Web? Und gibt es Unterschiede in dieser doch sehr heterogenen Gruppe? Was unterscheidet 50+ von 60+ und älter?

All das habe ich jemanden gefragt, der es wissen muss. Rolf Dindorf hat sich als Trainer und Berater auf diese Zielgruppe spezialisiert. Das verspricht, interessant zu werden.

Herr Dindorf, bitte stellen Sie sich den Lesern doch kurz vor.

rolf-dindorf

Rolf Dindorf

Als Trainer, Berater und Vortragender habe ich mich den Themen Demographischer Wandel und Kommunikation verschrieben. Gerade die demographische Entwicklung mit ihren facettenreichen Begleiterscheinungen einer alternden Gesellschaft und einem beginnenden Fachkräftemangel fasziniert mich. Der demographische Wandel wird eine geradezu evolutionäre Umwälzung der Arbeitswelt erzwingen.

Sie beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Zielgruppe 50+. Wie geht diese Zielgruppe mit dem Social Web um?

Die Silver Surfern sind mit zunehmender Begeisterung in den sozialen Netzwerken unterwegs. Knapp 67 Prozent (Stand 2013) der Internetnutzer ab 50 Jahren sind nach einer Studie des Verbandes Bitkom bei mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet.

Im Jahr 2011 lag die Zahl der User noch bei 55%. Es ist die einzige relevante Altersgruppe mit noch erheblichem Steigerungspotential.

Relevanteste Plattform für die Silver Surfer ist meiner Erfahrung nach Facebook. Dabei steht die private Nutzung im Vordergrund. Neuere Netzwerke wie Pinterest oder Tumblr sind weitgehend unbekannt. Auch die wesentlich bekanntere Twitter-Plattform stößt auf wenig Gegenliebe. Allerdings wird auf die Netzwerke in erster Linie von PC oder Laptop zugegriffen. Smartphones werden weniger zum Surfen benutzt. Teilweise macht das Handling hier der Generation Silberhaar zu schaffen.

Im Gegensatz zu den jüngeren Surfern wird auch weniger Zeit in den Netzwerken verbracht. Hier lautet häufiger das Argument, dass persönliche Kommunikation wichtiger sei.

Gibt es in dieser Zielgruppe nochmal signifikante Unterschiede (z.B. 50-60, und 60+)?

Während in der Zielgruppe der 50- bis 64-Jähriger 68% der Internetnutzer angemeldet sind liegt die Quote bei den über 65-Jährigen bei 66%. Vor zwei Jahren lag der Anteil der 65jährigen User noch bei 40%. Zum Vergleich: Insgesamt sind 78 Prozent der Internetnutzer in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet.

Für viele old-user ist das Handling (Stichwort: Tastatur) mit den Smartphones ein Problem. Erfahrungsgemäß müssten andere, speziell auf die Zielgruppe entworfene Modelle auf den Markt gebracht werden.

Beim E-Commerce beklagen sich mir gegenüber Silver Surfer über unübersichtliche Pages, komplizierte Registrierungsprozesse und ein unverständliches Denglisch. Dadurch halten viele potentielle Kunden Distanz zum Online-Shopping.

Was machen Unternehmen aus Ihrer Sicht richtig beim Umgang mit dieser Zielgruppe (bezogen auf online)? Was sollten Unternehmen anders machen?

In vielen Betrieben und Organisationen fehlt noch das Bewusstsein für eine altersgerechte Ansprache und Gestaltung der Plattformen. Sie sind geprägt von einem jugendlichen Marketing, bei dem die Werte jung, sexy und erfolgreich im Mittelpunkt stehen.

Mit Blick auf den stetig wachsenden Anteil an Silver Surfern ist eine Veränderung der Sichtweise auf die älteren, zahlungskräftigen Kunden nötig. Wer hier rechtzeitig als Unternehmen startet und seinen Auftritt und Service altersgerecht gestaltet erschließt sich einen gewaltigen Markt.

Wie wird sich die Zielgruppe in den nächsten Jahren entwickeln? Wie werden sie in 5 Jahren mit den Online-Medien umgehen?

Die Zahl der Silver Surfer liegt – wie schon eingangs erwähnt – noch unter dem Durchschnitt der Internetnutzer. Hier liegt noch Steigerungspotential. Auch im Bereich der Smartphone-Besitzer steigt der Anteil der Generation Silberhaar rapide an. Der Silber-Markt der Zukunft wird durch eine gewaltige Kaufkraft der 50plus bestimmt.

Unternehmen müssen dies bei ihrer Produktentwicklung, ihrem Marketing und Vertrieb berücksichtigen. Dann werden auch die älteren Online-Shopper mit Begeisterung zugreifen.

Und noch was Persönliches: Wie gehen Sie selbst mit dem Internet und den sozialen Medien um? Auf welche Probleme/Hindernisse stoßen Sie? Und was haben Sie bisher getan, um diese zu überwinden?

Welcher Social Media – Kanal soll es sein? Angesichts der sich rasch ändernden Popularität sozialer Netzwerke eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Spontan kommt einem Facebook in den Sinn. Doch wie sieht es mit Tumblr aus? Oder soll es nicht besser Pinterest sein? Lohnt überhaupt der Aufwand für eine Social Media – Kampagne? Oder sind nicht die klassischen Rekrutierungswege die bessere Alternative? Fragen, die ich mir bei der Nutzung u.a. stelle.

Um einen Überblick zu behalten informiere ich mich ausgiebig. Außerdem pflege ich den intensiven Austausch mit Kunden, Kollegen, Teilnehmern und Freunden.

Nachdem immer wieder Kunden jenseits der 40+ nach leicht verständlichen Videoanleitungen für Xing, LinkedIn & Co. bei mir anfragen werde ich zunehmend diverse Videoanleitungen auf YouTube einstellen.

 

 



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Kommentare


Kleine Displays, unverständliches Denglisch – Social Media und die Generation 50+ | Demographischer Wandel 14. Januar 2014 um 13:22

[…] Wie geht die Generation 50+ mit Social Media um? Das verrät heute Rolf Dindorf im Interview. Wie nutzt die Generation 50+, die so genannten Silver Surfer, das Social Web? Und gibt es Unterschiede in dieser doch sehr heterogenen Gruppe? Was unterscheidet 50+ von 60+ und älter? Das Interview auf dem Blog von felixbeilharz.de […]

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Kleine Displays, unverständliches Denglisch – Social Media und die Generation 50+ | Demographie-Blog 16. Januar 2014 um 13:59

[…] Wie geht die Generation 50+ mit Social Media um? Das verrät heute Rolf Dindorf im Interview. Wie nutzt die Generation 50+, die so genannten Silver Surfer, das Social Web? Und gibt es Unterschiede in dieser doch sehr heterogenen Gruppe? Was unterscheidet 50+ von 60+ und älter? Das Interview auf dem Blog von felixbeilharz.de […]

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Frank Hamm 18. Januar 2014 um 17:25

Gerade heute morgen habe ich mein Samsung S3 auf Jelly Bean aktualisert. Nach dem Reboot war ich erst einmal geschockt: Das Ziffernfeld zur Eingabe der PIN ist nur noch halb so groß. Das Feld zur Gestensteuerung ebenfalls. Dabei habe ich wirklich keine großen Tatzen, aber das grenzt an Unverschämtheit 🙁

Ähnliche Verunstaltungen beobachte ich auch auf anderen Geräten/Betriebssystemen. Irgendwie glaube ich nicht, dass das nicht nur mir (ey, Alter := 53) so geht…

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