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Onlinethinketing – Warum ich um 11 Uhr schon wieder gehen wollte

onlinethinketing-ogWer, wie ich, den Wert von Weiterbildung predigt, sollte sich auch selbst laufend fortbilden. Ich besuche daher regelmäßig Konferenzen und Expertenstammtische, lese Bücher, Zeitschriften und Blogs, tausche mich mit Kollegen aus. Was Seminare angeht, ist das schon schwieriger: Es gibt nicht viele Seminare, die tatsächlich in die Tiefe gehen, so dass sich auch mit 14 Jahren Erfahrung im Thema ein Seminarbesuch lohnt.

Von Onlinethinketing habe ich mir genau das erwartet. Karl Kratz kenne ich nun seit fast 5 Jahren und halte ihn für einen der brillantesten Köpfe der deutschen, wenn nicht weltweiten Online-Szene. Umso höher waren meine Erwartungen an das Seminar.

Um 11 Uhr…

… zur ersten Pause wollte ich dann eigentlich schon wieder gehen. Aber nicht, weil das Seminar bis dahin schlecht gewesen wäre. Nein, ganz im Gegenteil: Mein Kopf war bereits so voll mit Ideen und Ansätzen, dass ich eigentlich schon zufrieden gewesen wäre, wenn das Seminar an diesem Punkt zu Ende gewesen wäre. Es kommt nicht oft vor, dass es im/nach einem Seminar oder Vortrag so dermaßen rattert in der Birne.

So, vielleicht bist du jetzt neugierig geworden. Dann mal von vorne.

Was ist Onlinethinketing eigentlich?

Onlinethinketing ist kein klassiches SEO Seminar. Auch kein klassisches Online Marketing Seminar. Und erst recht kein klassisches Social Media Seminar. Und doch ist es irgendwie von all dem ein bisschen, aber gleichzeitig etwas anderes und viel mehr. Verwirrt? Ich auch…

Wer erwartet, zu lernen, wie SEO funktioniert, welche AdWords-Strategien zum Erfolg führen oder wie man bei Facebook Reichweite erzeugt, wird enttäuscht (obwohl Ansätze aus diesen Themen im Seminar durchaus angesprochen werden). Solche Dinge sollte man bereits grundlegend wissen, bevor man sich zu Karls Seminar anmeldet.

Und schließlich gibt’s im Seminar keine Gruppenarbeiten, keine Brainstorming-Übungen, keine Praxisphasen in Einzelarbeit. 10+ Stunden „Druckbetankung“, Frontalunterricht. Handyverbot, Laptopverbot.

Ist Onlinethinketing deswegen ein schlechtes Seminar?

Im Gegenteil. Onlinethinketing gehört zu den besten Seminaren, die ich je besucht habe. Denn was Karl vermittelt, geht weit über das hinaus, was ein „normales“ Seminar ausmacht. Onlinethinketing ist tiefgehend, umfangreich, anstrengend, inspirierend, aufrüttelnd, strategisch, motivierend und erleuchtend.

Zu jedem der Impulse sollen die Teilnehmer auf einem Feedbackbogen ankreuzen, ob sie das Gehörte bereits umsetzen oder ob es neu für sie ist. Ich habe mal ein bisschen bei den anderen Teilnehmern gespickelt. Die Spalte „Das mache ich heute schon“ blieb bei den meisten überwiegend leer. Puh, beruhigend…

„Hör auf zu bloggen!“

Karl liefert Impulse. So ist das Seminar konzipiert und so zieht er es auch durch. Angefangen von einer sehr allgemeinen strategischen Ausrichtung der gesamten Online-Auftritte (allein darüber haben sich 95% aller Unternehmer noch nie in der Tiefe Gedanken gemacht), über Prozessoptimierung und bedarfsspezifische Wertversprechen bis hin zu Social Sharing-Optimierung oder komponentenbasiertes Webdesign, für jeden ist etwas dabei.

Vieles, was man aus Karls Vorträgen (SEO Campixx, SEOKOMM, OMCap etc.) kennt, ist auch am Start: Multi Layer Landingpages, Preseeding, Responsive Inhalte, digitales Asset Management oder Behandlung von Nicht-Konversionen. Hochgradig geiles Zeug, das nur darauf wartet, gelernt, durchdacht, adaptiert und implementiert zu werden.

Allerdings sollte man schon einiges mitbringen und vor allem in der Lage sein, die abstrakten Inhalte weiter zu entwickeln, auf den eigenen Unternehmenskontext zu übertragen und anzupassen. Denn Karl denkt und spricht meist in einer übergeordneten Ebene. So bestehen seine Folien auch überwiegend aus Ablaufschemata und Prozessen, statt aus Screenshots oder Bullet-Point-Listen.

Was meine ich damit? Nun, Karl zeigt im Seminar nicht, wie man Social Sharing-Buttons in die Website einbaut. Stattdessen aber einen beispielhaften Prozess, was nach einem Social Share im Hintergrund passieren sollte.

Er erklärt nicht, welche 101 SEO-Faktoren einen bei Google auf Platz 1 befördern. Dafür zeigt er aber, wie man den Wert einer URL (auch aus Google-Sicht) kontinuierlich steigern und dauerhaft erhalten kann.

Ich rudere mal etwas zurück: Das alles soll nicht heißen, dass Karl keine Beispiel oder konkrete Anwendungsfälle zeigt. Im Gegenteil, vieles erklärt er sogar direkt an den Seiten der Teilnehmer (hier lassen sich auch zwischen den Zeilen eine Menge Tipps mitnehmen, wenn man denn offen für Kritik ist). Aber eine Frage, die mir im Seminar häufig gestellt wird („Und wie baue ich das jetzt in die Website ein?“) dürfte in Onlinethinketing fehl am Platze sein.

Karl polarisiert auch sehr stark mit seinen Aussagen. Mehr als einmal verfiel der eine oder andere Teilnehmer plötzlich in eine unterbewusste, aber körpersprachlich und mimisch nicht zu übersehende Abwehrhaltung, als an seinem alteingesessenen Weltbild gerüttelt wurde. Karl ist in der Branche ja dafür bekannt, grundsätzlich andere Wege zu gehen, Dinge einfach anders zu machen und drei Schritte weiter zu denken.

Wo viele Unternehmen stolz ihren frisch eingerichteten Blog präsentieren, haucht Karl ihnen ein „Hör auf zu bloggen!“ ins Gesicht. Wo sie stolz ihren „umfangreichsten Online-Shop der Branche“ vorzeigen, erzählt Karl was von „Beherrschbarkeit digitaler Ressourcen“, „Intensivierung“, „Fokussierung“ und „digitaler Transformationsfähigkeit“. Wo sie für viel Geld endlich ein responsives Webdesign eingekauft haben, schmettert Karl ihnen was von „responsiven Inhalten“ und „Geräten ohne Display“ an die Birne. Das macht nicht jedem Spaß…

Wer nicht willens ist, all sein Denken und Handeln, sein Wissen und sein „des hemmer immer scho so gmacht“ auf den Prüfstand zu stellen, sollte das Seminar besser nicht besuchen.

Was mich aber elegant zur nächsten Frage führt:

Wer sollte Onlinethinketing besuchen?

Da der Seminarinhalt relativ breit aufgestellt ist, ist auch die mögliche Zielgruppe breit gestreut. Ich würde als Voraussetzungen ein fundiertes Online-Marketing-Wissen (nicht zwingend Spezialisten-Know-how in einzelnen Teilbereichen) sowie die Fähigkeit zu strategischem Denken, aber vor allem die Bereitschaft zur Abstraktion und zum Transfer sehen. Zielgruppe könnten also SEOs, Online-Marketer, Unternehmer, Agenturchefs oder -mitarbeiter, Berater oder Affiliates sein. Tatsächlich war das ziemlich genau die Mischung, die heute im Seminar anwesend war…

Besonders geeignet ist Onlinethinketing für Leute, die von Karls Vorträgen, Blogartikeln oder Ebooks begeistert waren, aber mehr Hintergrundinfos, Zusammenhänge und Erklärungen brauchen. Mir selbst wurde vieles, was Karl in Vorträgen angesprochen hat, erst durch den Kontext im Seminar wirklich verständlich. Falls das so gewollt ist: Chapeau, geniale Strategie ;-).

Die gute Nachricht ist: Obwohl Karl Programmierer und Tech-Nerd ist, muss man selbst weder Programmierer noch Tech-Nerd sein, um den Inhalten folgen zu können. Karl versteht es hervorragend, die Inhalte so herunterzubrechen und Schritt für Schritt zu erklären, dass es auch ein PHP-Laie oder MySQL-Dummie versteht.

Die schlechte Nachricht ist allerdings: Man sollte einen Programmierer oder Tech-Nerd zur Hand haben, der die besprochenen Inhalte umsetzt. Denn das meiste, was Onlinethinketing ausmacht, bedarf einer eigenen Programmierung. Zwar liefert Karl in karlsCore public (ein 1-monatiger Zugang ist im Seminarpreis enthalten) direkt viele Scripte und Tools mit; einbauen bzw. implementieren muss man sie aber natürlich selbst. Und da kommt man um einen fähigen Programmierer nicht herum.

Was mache ich jetzt nach Onlinethinketing konkret anders?

Ich habe im Seminar eine ganze Menge mitgeschrieben. Nicht so sehr von den Slides, denn die Folien bekommen die Teilnehmer im Nachgang natürlich zugeschickt (zusammen mit dem kostenlosen Zugang zu karlsCore public).

Stattdessen sind mir im Tagesverlauf ein paar Dutzend Ideen in den Kopf geschossen, wie ich die Inhalte speziell auf meine Projekte anwenden kann. Ich werde jetzt erst einmal ein paar Stunden damit zubringen (müssen), alles zu ordnen, zu priorisieren und auf die verschiedenen Projekte aufzuteilen. Anschließend entwickele ich daraus Briefings und telefoniere bzw. setze mich mit einem oder zwei Programmierern zusammen.

Zum Beispiel hat bei mir das Thema „Behandlung von Nicht-Konversionen“ viel ausgelöst. Klar, warum sollte man jemandem, der bereits ein Infopaket heruntergeladen hat, immer noch den entsprechenden Download-Button anbieten? Stattdessen wäre doch der Kaufen-Button, größer und prominenter platziert, viel passender…

Auch die „Bedarfsgerechte Gestaltung von Inhalten bzw. Wertversprechen“ lässt sich auf jedes Projekt anwenden. Ich werde mir also in ruhigen Stunden (sofern es die mal gibt, aber die kann man sich ja auch aktiv schaffen…) konkret Gedanken machen, welche Bedarfslage die Besucher der Projekte haben und daraus Betrachtungsebenen entwickeln, die dann zu passenderen Wertversprechen und Inhalten führen.

Das sind nur 2 Punkte aus ca. 5 Seiten Mitschrift. Der Rest wird nicht verraten :-).

Und bloggen werde ich weiterhin. Aber ich verstehe, worauf Karl hinauswill – und das setze ich defintiv so um.

Würde ich Onlinethinketing wieder besuchen oder weiterempfehlen?

Das sollte nach inzwischen 1.043 Worten klar geworden sein, oder? Geh hin, solange du noch die Chance dazu hast!

 



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Kommentare


Spitzenkraft 28. Mai 2015 um 10:06

Endlich auch mal was (halbwegs) ausführliches aus dem Onlinethinketing. Sobald ich das nötige Kleingeld „zusammengesungen“ habe werde ich mich für ein Karl Seminar einschreiben. Allerdings habe ich auch große Beführchtungen, dass er mein (online-) Weltbild einreisst und mir der Kopf raucht.
Danke für den Einblick

Christian

Antworten

SEOCouch – Heiko 28. Mai 2015 um 10:55

Hallo Felix,

deinen Eindruck des Events kann ich nur bestätigen!

Im ersten Onlinethinketing-Seminar im Sommer 2013 hatte ich am Ende des Tages ebenfalls Kopfschmerzen, womit ich laut Feedbackrunde mit den anderen Teilnehmer, allerdings nicht allein war ;o)

Ein Klasse Event, den es sich wirklich lohnt zu besuchen! Viele Impulse, sehr gute Gespräche und bei Karl natürlich auch verdammt gute Unterhaltung.

Gruß,
Heiko

Antworten

Tom 28. Mai 2015 um 11:01

Schön, dass du am Ende auch zwei konkrete Inhalte/Ideen nennst, nach dem Ganzen „Was ist Onlinethinketing nicht“ und „Wer soll da hin und warum“, denn genau das macht doch einen Recap aus oder?

Klar kann man nicht alles verraten, aber mich interessieren und überzeugen halt Inhalte mehr, als die allgemeinen W-Fragen aussen rum.

Antworten

Sven Bublitz 28. Mai 2015 um 13:55

Genau das tut er ja, Christian. Du könntest danach für 1 Jahr paralysiert in der Ecke sitzen.

Aber ich genieße diesen Zustand der vollständigen Paralyse – die Karl Kratz in mir hervorgerufen hat – sehr. Immer wieder das Mantra der „Dekonstruktion“ murmelnd, finde ich mich häufig weit nach Sonnenuntergang weit draußen am Stadtrand (frierend!) wieder, auf der Suche nach der einzig wahren „Fokussierung“ meiner selbst.

Die Kohle habe ich auch nur schwer auf den Tisch gelegt, und zehre davon aber noch heute. Ich kann Dir also nur empfehlen – MACH ES! 🙂

Grüße

Sven

Antworten

Mario Schneider 28. Mai 2015 um 15:28

Hey Felix,

ich war ja auch letztes Jahr in Stuttgart beim Onlinethinketing von Karl und du hast das echt super zusammengefasst!

Mir ging es genau gleich wie dir! Ich habe extrem viel für mich mit genommen und man fühlt sich schon fast etwas überfordert. Wenn man aber nur 20% von dem umsetzt, was man sich während dem Seminar vornimmt, ist man schon auf einem sehr guten Weg und der Besuch hat sich gelohnt!

Liebe Grüße,
Mario

Antworten

Mario 28. Mai 2015 um 23:13

Karl ist ja auch nicht Karl der Große, sondern in meinen Augen Karl der Größte!!!!
Spaß beiseite… Ich war auch schon in dem Seminar und ich bin unglaublich geflasht wieder rausgekommen.

Antworten

Marcel 4. August 2015 um 17:21

Toller Beitrag! In dem Kontext ein „Karl-Satz“ der sich bei mir eingebrannt hat:
„Benutze HTTPs nicht, weil eine Suchmaschine aus Mountain View sagt, dies als Rankingvorteil nutzen zu wollen, sondern weil du die Kundendaten deiner Nutzer auf einem hohen Niveau schützen möchtest!
Viele Grüße

Antworten

Besorgter Internetbürger 7. November 2016 um 9:50

Und deshalb ist die deutsche Internetwirtschaft im Vergleich so beschissen. An jeder Straßenecke irgendwelche Quacksalber und "Internet Experten" die in fast schon religiöser Manier ihre Thesen verbreiten. Und alle fallen drauf rein.

Antworten

Felix Beilharz 11. November 2016 um 0:41

Ich bin mir ziemlich sicher, dass du weder Karl noch mich persönlich/live kennst und/oder erlebt hast, richtig? Aber schön, dass du trotz deiner Meinung meinen Blog liest, freu mich immer über Fans 🙂

Antworten

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