Skip to main content

Social Media Werbung: Diese US-Politiker geben Millionen auf Facebook aus

 

Social Media Werbung im US-Wahlkampf

Spätestens seit Barack Obamas erstem Wahlerfolg ist klar: Social Media ist einer der wichtigsten, wenn nicht DER wichtigste Kanal im Wahlkampf! Nirgendwo sonst lassen sich so viele Menschen so zielgerichtet erreichen und Botschaften so leicht verbreiten wie auf Facebook, Twitter, Instagram und Co.

Auch Donald Trump verdankt seinen Erfolg zu einem großen Teil seinen Social Media Aktivitäten. Er hat nicht nur doppelt so viele Twitter-Follower wie alle anderen aktuellen oder ausgestiegenen Präsidentschaftskandidaten zusammen, sondern gibt auch (fast) am meisten Geld für Werbung aus.

Welcher US-Politiker wieviel Geld ausgibt und wer mit Abstand am tiefsten in die Tasche gegriffen hat, verrät diese Analyse.

Wer hat insgesamt am meisten für Social Media Werbung ausgegeben?

Donald Trump hat seit Mai 2018 über 33 Millionen Dollar für Facebook- und Instagram-Werbung ausgegeben. Das ist doppelt so viel wie Bernie Sanders und Joe Biden zusammen. Und das, obwohl im Gegensatz zu den Demokraten Trump ja gar nicht aktiv im Wahlkampf steht.

Allerdings gab der bereits ausgeschiedene Mike Bloomberg nochmal fast doppelt so viel aus wie Donald Trump (63,8 Mio). Das ist besonders beeindruckend, da Bloomberg erst sehr spät in den Wahlkampf eingestiegen ist und sich diese enorme Summe daher auf einen viel kürzeren Zeitraum verteilt.

Nach Trump und Bloomberg folgt übrigens der ebenfalls bereits ausgeschiedene Milliardär Tom Steyer (26,8 Mio.).

Die Social Media Werbe-Etats der demokratischen Kandidaten Bernie Sanders (11,8 Mio.) und Joe Biden (6,2 Mio.) sehen dagegen richtigehend mickrig aus.

Insgesamt nahm Facebook mit den aufgeführten US-Politikern übrigens seit 2018 über 190 Mio. Dollar ein. Kein Wunder, dass sich Facebook so vehement gegen ein gefordertes Verbot politischer Werbung stemmt…

Wer hat in der Woche um den Super Tuesday am meisten ausgegeben?

Auch in der Woche rund um den Super Tuesday (27.02. – 04.03.2020) griff Mike Bloomberg am tiefsten in die Tasche. Seine Ausgaben in dieser Woche (5,7 Mio.) fielen höher aus die der meisten demokratischen Kandidaten in ihrer gesamten Kampagne.

Selbst Joe Biden als einer der Top-Favoriten gab in seiner gesamten Kampagne (6,2 Mio.) nur wenig mehr aus als Bloomberg in diesen 7 Tagen. Genützt hat es Bloomberg letztlich trotzdem nichts.

Immerhin machte Biden für die 7 Tage am meisten Geld locker (1,7 Mio.), gefolgt von Sanders (1 Mio.) und Warren (0,5 Mio.).

Interessant ist auch  hier zu sehen, dass Trumps Ausgaben durchaus mit denen der Demokraten mithalten können, obwohl er im Gegensatz zu diesen aktuell gar nicht zur Wahl steht. Darin liegt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Trump-Kampagne: Er gibt durchgehend (viel) Geld für Social Media Werbung aus, nicht nur kurz vor den Wahlen. Dadurch sind seine Reichweite und Sichtbarkeit am größten, seine Themen werden am stärksten platziert und vor den Wahlen fällt es ihm deutlich leichter, das bereits aufgebaute Momentum zu nutzen, statt erst dann zu investieren, wenn es akut wird.

Gesamttabelle

Die folgende Tabelle zeigt die Ausgaben für Social Media Werbung seit Mai 2018, die Ausgaben in den 7 Tagen zwischen 27.02. – 04.03.2020 sowie die Followerzahlen in den einzelnen Medien.

PolitikerAusgaben seit Mai 2018Letzte 7 TageFacebook-FansInstagram FollowerTwitter Follower (groesster Channel)
Mike Bloomberg63.800.988 USD5.756.515 USD905.077427.0002.700.000
Donald J. Trump33.430.738 USD419.911 USD26.128.43718.000.00073.400.000
Tom Steyer26.825.241 USD183.662 USD508.62777.100313.182
Bernie Sanders11.803.882 USD1.090.336 USD5.421.8474.600.00011.000.000
Elizabeth Warren9.402.995 USD510.641 USD3.378.3362.300.0005.600.000
Beto O'Rourke9.146.282 USD0 USD892.594956.0001.600.000
Pete Buttigieg8.765.384 USD179.174 USD603.5961.100.0001.700.000
Joe Biden6.184.121 USD1.748.293 USD1.568.9671.500.0004.300.000
Kirsten Gillibrand3.772.575 USD0 USD375834246.0001.400.000
Kamala Harris3.530.091 USD0 USD1.143.5652.000.0001.100.000
Amy Klobuchar2.833.226 USD59.922 USD317.306223.000992.591
Cory Booker2.630.348 USD0 USD1.186.536835.0004.400.000
Mike Pence2.366.302 USD165.426 USD1.337.789759.0004.200.000
Andrew Yang2.124.480 USD0 USD269.010574.0001.300.000
Tulsi Gabbard1.162.514 USD3.022 USD450.812290.000806.891
Michael Bennet1.009.899 USD0 USD104.33813.600300.000
John W. Hickenlooper718.876 USD23.394 USD64.01616.000169.739
John K. Delaney238.175 USD0 USD355.5826.09439.157
Howard Schultz143.212 USD0 USD36.13747.00099.615
Bill de Blasio105.873 USD0 USD66.2166.6541.300.000
Bill Weld32.473 USD279 USD85.47617.20093.685
Deval Patrick20.057 USD0 USD54.3103.94955.925

Wieviel geben deutsche Parteien aus?

Zum Vergleich habe ich noch analysiert, wieviel Geld deutsche Bundesparteien aktuell für Social Media Werbung investieren. Dabei ist zu beachten, dass aktuell kein Wahlkampf stattfindet und die Ausgaben daher weniger hoch ausfallen. Eine Analyse im Wahlkampf wird ebenfalls auf diesem Blog stattfinden.


Überraschend ist hier, dass die Alternative für Deutschland zumindest auf Bundesebene überhaupt kein Geld für Social Media Ads ausgibt. Trotzdem fallen sowohl die Fanzahlen als auch die Interaktionsraten mit Abstand am höchsten von allen Parteien aus.

Alle Angaben Stand 10.03.2020. Analysiert mit der Facebook Ads Library.

Fragen zu Social Media Werbung im US-Wahlkampf (3)

  • 💰 Lässt sich Wahlerfolg mit Social Media Werbung kaufen? 

    Die erfolglose Kandidatur Mike Bloombergs hat gezeigt, dass der größte Geldbeutel nicht unbedingt auch die erfolgreichste Wahlkampagne ausmacht. Bloomberg gab fast doppelt so viel Geld aus wie die Trump-Kampagne, musste sich aber im demokratischen Vorwahlkampf anderen Kandidaten geschlagen geben, denen nur ein Bruchteil der Werbeausgaben zur Verfügung standen. Auch Tom Steyer lag deutlich über allen anderen Kandidaten und musste sich bereits geschlagen geben. „Geld = Wahlsieg“ – so einfach ist die Gleichung also nicht.

    Trotzdem lässt sich natürlich sagen, dass Geld enorm hilft. Alle Kandidaten, die auch nur die nähe einer Nominierung kommen, geben sieben- oder achtstellige Beträge für Social Media Werbung aus. Und Trump verdankt seinen Erfolg zu nicht geringen Teilen seinem enormen Budget für Facebook-Werbung.

    Wahlerfolg lässt sich also nicht einfach kaufen, aber die Chancen steigen enorm. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Geld auch effizient, also mit extrem gutem Targeting, viel Testing und sehr guten Anzeigen, investiert wird. Hier hat Trump eindeutig die Nase vorn.

  • 🐦 Warum geben Politiker kein Geld für Twitter Ads aus?

    Twitter hat politische Anzeigen letztes Jahr verboten, nachdem Kritik über Russlands Einflussnahme auf die US-Wahlen mittels Social Media Werbung immer lauter wurde. Politiker können damit nur noch normale Tweets absetzen, aber keine Werbeanzeigen auf Twitter mehr schalten. Facebook weigerte sich bisher, ebenfalls politische Werbung zu untersagen, führte aber in der Facebook Ads Library eine höhere Transparenzstufe für politische Werbung ein. So lassen sich nicht nur alle Ads, die eine Facebook-Seite schaltet, sondern auch die Ausgaben und die demografischen Kriterien der Werbeanzeigen einsehen.

  • 🏆 Warum ist Trump so erfolgreich im Social Web?

    Donald Trump hat die Macht der sozialen Medien früh erkannt und bereits lange vor seiner Präsidentschaftskandidatur stark über Twitter kommuniziert. So hatte er bereits am Tag vor der Bekanntgabe seiner Kandidatur am 16.07.2015 knapp 3 Millionen Twitter-Follower und konnte mit einer starken Ausgangsbasis starten.

    Seitdem setzt die Trump-Kampagne extrem stark auf Social Media. Trump twittert deutlich mehr als alle anderen Politiker, postet mehr auf Facebook und gibt viel mehr Geld für Werbung auf Facebook, Instagram und Co. aus. Auch dürfte seine Kampagne sehr viel fortgeschrittenere Targeting-Methoden einsetzen – die Ads werden laserscharf targetiert, so dass jede Zielgruppe exakt die Botschaften sieht, die für sie am wirkungsvollsten sein dürften.

    Allerdings hat Trump noch einen weiteren Vorteil: Er hat bereits früh die Bindung an Fakten und Realität aufgegeben und kann sich dem vollen Spektrum an emotionalen und polarisierenden Behauptungen bedienen, ohne auf den Wahrheitsgehalt Rücksicht nehmen zu müssen. Solche Posts erzeugen deutlich mehr Interaktionen und damit auch viel mehr Reichweite als nüchterne, ausgewogene Inhalte.

    Das ist übrigens kein Trump-spezifisches Phänomen. In Deutschland bedient sich die AfD der gleichen Methode und ist damit ebenfalls sehr erfolgreich – die AfD hat von allen Parteien in Deutschland die meisten Fans und die höchsten Interaktionsraten.



Ähnliche Beiträge



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Auszeichnungen

Mitgliedschaften, Zertifizierungen & Auftritt