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Aller Anfang… so haben die großen Namen der Online-Branche angefangen

Ich werde nach Vorträgen – aber auch von meinen Studierenden – sehr oft gefragt, wie ich denn angefangen habe, mich selbständig zu machen, meine Marke aufzubauen und mich als Experte zu positionieren. Anstatt das immer und immer wieder zu erzählen, habe ich das mal aufgeschrieben.

Da aber meine Erfahrung nur eine von vielen und vielleicht nicht verallgemeinerbar ist, habe ich nicht nur meine eigenen Antworten aufgeschrieben, sondern noch einige andere sehr bekannte Kollegen/innen und etablierte Personal Brands aus der Online-Branche nach ihren ersten Schritten und besten Tipps gefragt. Herausgekommen ist ein unglaublich wertvoller Erfahrungsschatz für alle, die mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen und/oder sich eine Personenmarke aufzubauen.

Calvin Hollywood

Calvin ist einer der weltweit bekanntesten Photoshop-Artists. Er hat Vorträge auf so ziemlich allen großen Veranstaltungen der Branche gehalten, inkl. der Photoshop World in Las Vegas. Seit einigen Jahren liegt sein Fokus mehr auf den Themen Unternehmertum, Social Media und Coaching, wo er sich ebenfalls eine enorme Reichweite aufgebaut hat.

calvinhollywood-blog.de/

Felix Thönnessen

Felix hat bereits mehrere Unternehmen erfolgreich gegründet und ist heute als Speaker, Autor und Investor aktiv. Er ist einer der führenden Start-Up Experten in Deutschland, hat die Start-Ups in „Die Höhle der Löwen“ beraten und das Buch zur Serie geschrieben.

felixthoennessen.de

Katja von der Burg

Katja ist Gründerin und Geschäftsführerin der Online Marketing Agentur Projecter aus Leipzig. Sie hat mittlerweile 50 Mitarbeiter und betreut Kunden in ganz Europa. Nebenbei ist sie leidenschaftliche Ultraläuferin und ist u.a. 10 Marathons in 10 Tagen gelaufen.

projecter.de

Marcus Meurer

Marcus ist einer der führenden Köpfe der weltweiten Digital Nomad Szene. Zusammen mit Felicia hat er die DNX Bewegung gegründet, unter deren Titel weltweit Konferenzen, Barcamps sowie Coworking- und Coliving-Camps stattfinden. Unter DNX Unlimited bietet Marcus auch ein Selbstlern-Programm für digitales Business an.

marcusmeurer.de

Björn Tantau

Björn ist ein Urgestein der Online-Branche und eines der bekanntesten Gesichter der Online-Marketing-Szene. Björn hat mehrere Bücher geschrieben, betreibt einen erfolgreichen Blog und einen beliebten Podcast und hält bundesweit Seminare und Vorträge.

bjoerntantau.com

Marcus Tandler

Marcus ist einer der weltweit bekanntesten SEOs mit über 20 Jahren Erfahrung. Er ist nicht nur Mit-Gründer und Geschäftsführer von Ryte, sondern auch einer von nur zwei deutschen SEO-Experten in der jährlichen Ranking-Studie von Moz (seit 2007). Er hält Vorträge rund um die Welt, u.a. bei TEDx oder The Next Web sowie die jährliche Keynote auf der SEOkomm.

mediadonis.net

 

Wie sahen deine allerersten Schritte im Online-Marketing aus? Wie hast du angefangen mit deiner Selbständigkeit / deinem Unternehmen?

Felix Beilharz: Ich habe 2001 meinen ersten kleinen Online-Shop gegründet. Damals steckten Google Ads noch ganz in den Kinderschuhen, es gab kein Facebook, keine Blogs, kein Instagram, keine ausgefeilten E-Mail-Marketing-Programme.

Also habe ich Marketing mit dem gemacht, was es gab: Foren. Fast alle meine Kunden kamen aus Foren, in denen ich selbst aktiv war. Ich bin dort relativ schnell zu einer bekannten Person bzw. Pseudonym mit meinem Shop geworden.

Ich habe mich dann in den folgenden Jahren intensiv in SEO eingelesen. Habe unzählige Ebooks (aus Deutschland und den USA) gelesen, hunderte von Stunden in Foren verbracht. Dann habe ich im Laufe der Zeit immer mehr eigene Websites gebastelt, Ebooks, Software und einige andere digitale Produkte verkauft, bis ich nach 6 Jahren durch ein Praktikum bei einer Marketingagentur in die Beratung gerutscht bin. Und von da an nahm das Unglück seinen Lauf 😉

Katja von der Burg: Ich bin in der Endphase meines Studiums bei Spreadshirt als Werkstudent für das Online Marketing Reporting reingerutscht. Mit Zahlen und Excel kannte ich mich damals aus, Online Marketing war mir völlig neu. Da ich aber „alles mit Internet“ schon immer superspannend fand, hatte ich eine sehr sehr steile Lernkurve und war nach einem halben Jahr Online Marketing Manager auf Freelance Basis. In meinen zwei Jahren bei Spreadshirt habe ich damals (2006/7) das „klassische“ Handwerkszeug gelernt: Google Adwords, Affiliate Marketing und ein bisschen Webanalyse. Viel mehr gab’s da auch noch nicht 😀 Mit dem Know-How habe ich dann Projecter gegründet und im Laufe der Jahre kamen viele weitere Themen dazu, allem voran Social Media.

Calvin Hollywood: Meine allerersten Schritte im Online-Marketing sahen so aus, dass ich mich damals in allen relevanten Foren angemeldet habe, die es damals gab. Das waren überwiegend Retusche- und Fotografie-Foren. Unter anderem auch von den jeweiligen Kamera-Herstellern. Und dann war ich dort aktiv. Ich habe damals das Gleiche gemacht wie heute. Ich habe Fragen beantwortet und viel kommentiert. Ich habe Spuren im Internet hinterlassen, so dass möglichst viele Menschen nicht nur über meinen Namen kommen, sondern in meinem Profil auf den Link klicken, der dann zu meiner Website führt.

Der nächste Schritt war, dass ich im Jahr 2008 auch meine eigenen Foren gegründet habe. Ich hatte damals relativ schnell 5.000 Mitglieder, über 17.000 Themen und 160.000 Beiträge in diesen Foren. Und das ist auch der Schritt, den ich heute noch empfehle. Zuerst auf anderen Plattformen aktiv werden, um dann die Menschen möglichst auf Deine eigene Plattform zu bekommen. Und dort dann etwas Weiterführendes anbieten.

Das waren meine ersten Schritte in die Selbständigkeit, ins Unternehmertum. Ich konnte nicht mehr so viele Fragen im Internet beantworten, also habe ich meine eigenen digitalen Produkte erstellt – damals noch auf CDs: Videotrainings. Quasi jeden Monat habe ich dann ein neues Videotraining auf den Markt gebracht, die ich über meine eigenen Plattformen verkauft habe.

Felix Thönnessen: Meine allerersten Schritte im Online-Marketing vor ungefähr 13 Jahren sahen so aus, dass ich mich vor allem auf das Thema Website konzentriert habe. Dinge wie „Funnel“ oder Facebook-Ads haben zu dem Zeitpunkt für mich noch gar nicht existiert.

Es ging in erster Linie darum eine Web-Präsenz zu haben, d.h. viel mehr so etwas wie ein Lexikon, auf dem man sämtliche Informationen über mein Unternehmen nachlesen konnte. Es gab auch keine wirkliche Conversion-Optimierung oder Ähnliches. Es gab eine Kontakt-Möglichkeit mit einem eingebauten Formular. Ansonsten gab es wunderschöne Flash-Animationen, die links und rechts auf der Website stattgefunden haben und natürlich eine sehr horizontal-orientierte Seiten-Ausrichtung. Ansonsten habe ich im Online-Marketing nicht wirklich viel gemacht, sondern mich gerade zu Beginn meiner Selbständigkeit auf Offline-Maßnahmen konzentriert. Für mich als Coach war das Einzugsgebiet 50 km um mein Büro herum relevant, und Offline-Marketing von daher nicht so uninteressant. Ich habe viele klassische Marketing-Maßnahmen umgesetzt wie Flyer verteilen, Plakate aufhängen, eigene Events veranstalten. Die komplette Palette durch, aber einige davon haben auch sehr gut funktioniert.

Marcus Meurer: Hier mal meine Liste:

  • Nächtelanges Aufsaugen von US Blogs zum Thema SEO und das neu Gelernte dann immer schnell auf eigenen kleinen SEO Seiten getestet.
  • Erste Connections in die Szene über Black Hat Skype oder IRC Chats aufgebaut,
    Real Life Connections auf Meetups und Konferenzen aufgebaut und bis heute anhaltende Freundschaften geschlossen.
  • Online Marketing Jobs in verschiedenen Startups wie StepStone, DailyDeal und Zanox angenommen und dort mein Wissen angewendet. Herausforderung war, dass ich hier im SEO Bereich nur “white” oder maximal etwas “grey” unterwegs sein konnte. Also saubere Optimierungen innerhalb der Google Richtlinien.
  • In den Startup Jobs bin ich nach und nach aus dem SEO Bereich rausgewachsen und breiter geworden in der Marketing Klaviatur: Performance-Marketing (PPC), Content-Marketing, E-Mail Marketing, Live Events…
  • Ende 2012, motiviert von der Berliner Gründerszene, mein eigenes Business gestartet und die Marke “DNX” aufgebaut.
  • Die DNX Bewegung ist heute die größte Community zum Thema ortsunabhängiges Unternehmertum mit verschiedensten Business Modellen im Online-, Offline-, B2B- und B2C- Bereich.

Marcus Tandler: Ich habe während meinem Magisterstudium an der Uni Augsburg Webdesign für KMUs angeboten. 1997(?) fragte mich dann einer meiner damaligen Kunden, ob ich denn auch bewerkstelligen könnte, dass seine neue Seite bei Altavista gefunden wird (Google ist ja erst 2000 in Deutschland gestartet). Glücklicherweise musste man damals lediglich “submit your site” klicken und die Domain “einreichen” 🙂

Aus Neugier wurde Interesse.

Aus Interesse wurde Leidenschaft.

Aus Leidenschaft wurde letztendlich Liebe <3

Björn Tantau: Ich habe schon Mitte/Ende der 1990er erste Websites programmiert und viel experimentiert. Damals fiel auch schon der Startschuss zu einem meiner ersten Projekte, einem Infotainment Portal für Musiknews und legale Mp3 Downloads. Auf diesem Projekt basiert sehr viel von dem, was ich heute mache. Hätte ich damals nicht ständig nach Wegen gesucht, dieses Projekt zu verbessern, wäre ich nie beim Thema Suchmaschinenoptimierung und auch nicht beim Social Media Marketing gelandet. Ohne diese beiden Dinge gäbe es mich nicht als Coach, Speaker und Unternehmensberater.

Es hat sich also alles organisch entwickelt, zunächst nebenberuflich, später hab ich dann auf Vollzeit gewechselt und zwischendurch auch nochmal für ein paar Agenturen gearbeitet. Und letztendlich bin ich als klassischer Seiteneinsteiger und Sidepreneur zum Unternehmer geworden – wie das ja bei vielen so war.

Was hat dir damals geholfen? Was machst du für deinen Erfolg (mit)verantwortlich?

Felix Beilharz: Ich war vom Thema massiv fasziniert und habe sehr viel Zeit damit verbracht, mich weiterzubilden und ein wirklicher Experte zu werden. Die ersten 8 oder 9 Jahre war ich als Person überhaupt nicht sichtbar, erst gegen 2010 bin ich öffentlich in Erscheinung getreten. Ich hatte immer das Gefühl, nicht genug zu wissen, noch nicht so weit zu sein. Im Nachhinein wahrscheinlich Blödsinn, aber diese „Bescheidenheit“ (oder Schüchternheit) hat mir genug Zeit gegeben, ein echtes Fundament aufzubauen.

Dann hatte ich 2007 durch mein Praktikum im Deutschen Institut für Marketing die Möglichkeit, diesen Weg auch beruflich einzuschlagen (was ich eigentlich gar nicht vorhatte). Da hat mein damaliger Chef, Prof. Dr. Bernecker, mir einige Türen geöffnet in den folgenden Jahren.

Lustigerweise war 2007 tatsächlich der Scheidepunkt in meinem Leben: Ich hätte das Praktikum beim DIM machen können oder ein juristisches Praktikum beim Auswärtigen Amt in London, musste mich zwischen den beiden Zusagen entscheiden. Keine Ahnung, wie mein Leben bei der anderen Option verlaufen wäre, aber ich denke, die Entscheidung war richtig.

Katja von der Burg: Neugier, Neugier und Neugier. Ich habe alles an Wissen mitgenommen, was nicht bei drei auf den Bäumen war und fand dieses – damals noch sehr neue und experimentelle Feld – extrem faszinierend. Fast alle, die was damit zu tun hatten, waren auch neu dabei (gab es ja auch alles erst seit ein paar Jahren) und wir haben sozusagen gemeinsam gelernt. Wie gesagt – mein Einstieg bestand aus endlosen Excel-Tabellen. Das hat mich aber gar nicht gestört, sondern ich habe es nur als ersten Schritt in eine neue spannende Welt gesehen, die ich mir dadurch erschließen kann. Außerdem bin ich wohl auch recht risikofreudig, da es 2007 kein besonders erprobtes Geschäftsmodell war, eine Online Marketing Agentur zu gründen.

Calvin Hollywood:  Das war stets das Interesse am Helfen für andere Menschen. Ich habe mir nie gesagt „Ich möchte Photoshop-Experte werden“, „Ich will Social Media Experte werden“ oder „Ich möchte Unternehmer werden“. Ich habe mich immer treiben lassen von den Fragen der anderen, habe mich für andere Menschen interessiert – welche Fragen bewegen die anderen und habe versucht diese Fragen zu beantworten. Daraus sind meine einzelnen Geschäftsmodelle entstanden.

Weniger die Frage was ich tun muss oder was ich machen könnte um Geld zu verdienen, sondern viel mehr: Wie kann ich anderen helfen, um daraus dann auch etwas Wirtschaftliches zu machen.

Felix Thönnessen: Ich glaube, was mir vor allem geholfen hat, ist die Bereitschaft zu haben, viele Dinge auszuprobieren. Viele unterschiedliche Werbemaßnahmen zu testen.

Wie gesagt habe ich unter anderem Flyer verteilt, Plakate aufgehangen. Ich habe aber auch Flyer an Autos gehangen, Postkarten verschickt, Telefon-Akquise gemacht, bin selber auf Veranstaltungen gegangen. Ich habe so gut wie das ganze Potpourri aller Werbe-Maßnahmen durchprobiert, um dann für mich immer weiter zu eruieren – im Prinzip ist es ja nichts anderes als einen eigenen Marketing-Funnel aufzubauen, welche dieser Maßnahmen funktionieren und welche nicht. Wenn ich gefragt werde, was mich erfolgreich gemacht hat, dann ist es sicher diese Bereitschaft, auch mal andere und neue Wege zu gehen. Ich habe Werbemaßnahmen gemacht, die andere so vielleicht noch nicht gemacht haben: Ich habe Jogger mit T-Shirts ausgestattet, worauf hinten ganz groß draufstand „Kostenlose Erstberatung?“ mit meiner Telefon-Nummer. Ich habe schon so die komplette Maschinerie der Werbe- und Marketing-Maßnahmen gestartet.

Marcus Meurer: Ich habe sehr schnell ein großes und valides Netzwerk aufgebaut. Ich war immer an anderen Menschen interessiert und habe eine kindliche Neugierde in mir, die ich mir bis heute erhalten habe.

Mir hat es immer große Freude gemacht, Online Business Modelle vollständig zu verstehen und selber zu testen. Auch heute noch teste ich viele neue Ideen.

Ich habe früh die Chancen der Digitalisierung gesehen, aber auch erkannt wie wichtig echte Offline Verbindungen sind, wie zum Beispiel auf Events.

Menschen sind und bleiben soziale Wesen. Tech wird ein immer wichtigerer Bestandteil in unserem Leben. Aber gerade deshalb werden nachhaltige und tiefgehende echte Offline Beziehungen immer wichtiger als Ausgleich.

Marcus Tandler:

Always. Be. Testing!

Ich habe die Meinungen anderer SEOs nie für bare Münze genommen, sondern stets meine eigenen Tests und Experimente gemacht.

Am Ende des Tages war mein Erfolgsfaktor wohl einfach unermüdlicher Fleiß (was ja automatisch passiert, wenn das Thema spannend ist und die Arbeit Spaß macht).

Hundert Sachen ausprobieren, eine wird schon klappen 🙂

Selbstverständlich hatte mein damaliger SEO Darklord, der Suchknecht, auch einen nicht unerheblichen Anteil an meinem erfolgreichen Start ins SEO Freelancer Geschäft.

Des Weiteren bin ich auch sehr früh auf US-amerikanische Konferenzen geflogen. Die USA waren damals ja noch ca. 3 Jahre voraus. So habe ich damals viele SEO Techniken und Tricks aus den USA einfach “importiert”.

Björn Tantau: Mir hat damals meine Neugier geholfen. Die hilft mir auch heute noch täglich. Ich will den Dingen immer auf den Grund gehen. Wenn etwas funktioniert, dann muss ich den Grund dafür herausfinden. Aus so einem Antrieb ergibt sich unter anderem, dass man schon fast süchtig wird nach Weiterbildung. Dann ist es wichtig sich klar zu machen, dass Wissen allein keine Macht ist. Wissen ist nur mächtig, wenn man es anwendet. Deswegen bin ich jemand, der konsequent umsetzt und handelt. Stillstand ist schlecht, ergo versuche ich immer in Bewegung zu bleiben. Das ist auch sehr wichtig, weil sonst meine berufliche Grundlage – das Wissen – nicht mehr aufgefrischt und weiterentwickelt würde.

Mit dem Wissen, das du heute hast: Was hättest du damals anders gemacht? Welchen Tipp kannst du Leuten geben, die heute einsteigen wollen?

Felix Beilharz: Damals war so einiges anders als heute, deswegen sind nicht alle meine Learnings auf heute übertragbar. Aber: Mit eigenen Projekten rumtesten, bevor man sich an Kunden heranwagt, ist eine Sache, die ich immer noch regelmäßig empfehle. Ich habe ca. 100 Websites, mehrere Facebook-Seiten, zwei Foren, 3 Online-Shops und noch so einiges betrieben, noch bevor ich den ersten eigenen Kunden hatte. Nur so sammelst du die Erfahrungen, die nötig sind.

Im Nachhinein hätte ich früher mehr Geld in Wissen investieren müssen. Ich habe mich überwiegend aus frei zugänglichen Quellen informiert, hätte aber z.B. schon 2005 oder so Seminare und Konferenzen besuchen können. Damals war ich zwar komplett pleite, aber ein bisschen Geld hätte ich schon abzwacken können irgendwie.

Und am Wichtigsten: Ich hätte früher den Kontakt zur Branche suchen sollen. Ich habe jahrelang nur still mitgelesen, ohne mich aktiv einzubringen. Meine erste Konferenz war die SEO Campixx 2011 – da war ich schon fast 10 Jahre im Online-Marketing tätig, ohne mich zu „zeigen“. Das würde ich heute anders machen.

Katja von der Burg: Mit dem Wissen von heute hätte ich wahrscheinlich realisiert, was alles hätte schiefgehen können und hätte nicht gegründet. Von daher bin ich froh, dass ich das damals nicht wusste. Die ganzen üblichen Fehler bei der Unternehmensgründung würde man beim zweiten Mal wohl auch vermeiden können, aber die gehören eben auch dazu. Rein strategisch würde ich alles wieder genauso machen.

Ich habe genau einen Tipp für Neueinsteiger und der ist wirklich superwichtig und wird oft missachtet: Geht dahin, wo ihr wirklich etwas lernen könnt. Sch…. auf das Geld am Anfang, das könnt ihr später immer noch verdienen. Wenn ihr eine Person, ein Unternehmen oder einen Ort findet, wo man bereit ist, Zeit und Nerven in euch und eure Ausbildung zu investieren und euch Chancen für die ersten Schritte zu geben: Geht dorthin! Natürlich nicht auf ausbeuterischer Basis, aber eine gute Ausbildung ist ziemlich große Abstriche im Anfangsgehalt wert. Das heißt auch: Es ist viel einfacher, sich selbständig zu machen, wenn ihr schon eine Station in einem „festen“ Job hinter euch habt, sofern ihr da die Chance zum Lernen hattet.

Calvin Hollywood: Ich hätte damals definitiv mehr Informationen gebrauchen können zum Thema Mensch: Wie funktioniert er, wie denkt er.

Heute würde ich empfehlen, beschäftigt Euch so früh wie möglich mit Psychologie. Denn ich glaube, je besser man die Menschen da draußen versteht, umso mehr kann man helfen und auch das Passende anbieten. Und gerade der Spruch „Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden willst“, den finde ich nicht mehr aktuell. Es geht eher darum: „Behandle andere Menschen so, wie sie behandelt werden wollen“. Sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen Umfeld. Und wenn Dir das gelingt, dann läuft das Business auch tatsächlich viel besser: Weniger Missverständnisse, Du selbst wirst besser verstanden, Du hast mehr Käufer für Deine Produkte usw.

Also beschäftigt Euch mit dem Thema Psychologie so früh wie möglich. Interessiert Euch für andere Menschen – versteht sie, um dann das Passende anbieten zu können.

Felix Thönnessen: Den Tipp, den ich Leuten heute geben würde, die sich in irgendeiner Form selbstständig machen wollen, ist vor allem mehr Budget zu besorgen.

Ich habe damals immer versucht auf kleiner Flamme Marketing und Werbung zu machen, weil auch nicht viel Kapital zur Verfügung stand.

Heutzutage – Thema Startup und Bootstrapping usw. – gibt es viele Möglichkeiten auch im Bereich des Groths Hacking mit wenig Kapital Marketing und Werbung zu machen. Aber man kann immer noch festhalten, dass wenn ich mehr Kapital zu Verfügung habe und das effizient einsetze, dass dann dennoch mehr dabei rauskommt. Mein Ratschlag wäre somit definitiv hier mehr Kapital zu beschaffen um dieses Kapital eben entsprechend einzusetzen. Und wirklich mutig zu sein – risikobereit zu sein. Mein Lieblingssatz in diesem Kontext lautet immer „Was kann im schlimmsten Fall passieren?“. Und hier wirklich hingehen und sagen: Ich mache Werbung, die andere vielleicht nicht machen. Werbung, die auch mal ein Stück weit polarisiert, die auffällt. Denn wir wollen alle auffallen, wir wollen alle Reichweite und Bekanntheit, aber dann müssen wir auch bereit sein aus der Masse hervorzustechen. Denn wenn wir nicht auffallen, können wir keine Reichweite erzeugen. Ausreichend Kapital besorgen, mutig sein – das wären so die beiden Ratschläge, die ich meinem eigenen Ich heute geben würde.

Marcus Meurer: Ich würde viel früher in Coachings und Seminare investieren.
Als ich gestartet bin, gab es leider noch nicht so viel Auswahl. Als ich dann vor einigen Jahren angefangen habe, in einen Business Coach zu investieren und auf die großen US Events gegangen bin, hat sich mein Business verzehnfacht.

Anfang diesen Jahres haben wir selber ein innovatives Business Coaching & Mentoring Programm für den deutschen Markt gestartet, das ich mir damals gewünscht hätte. In unseren Coaching Programmen gibt es neben Step-by-Step Anleitungen und einer geschlossenen Mastermind Gruppe auch Live Coaching-Calls mit den besten Experten zu allen relevanten Business Themen.

Marcus Tandler: Was ich mit dem Wissen von heute damals anders gemacht hätte?
Ich hätte wahrscheinlich zu Anfang noch mehr in weitere Premium Domains investiert.

Mein Tipp für Einsteiger:

Macht eure eigenen Erfahrungen!

Als SEO sollte man meiner Meinung nach mindestens eine 100%-eigene Webseite betreiben, mit der man eigene Erfahrungen sammeln kann!

Björn Tantau: Mehr riskieren, vor allem in jungen Jahren. Ebenfalls wichtig: Noch mehr ausprobieren, wenn man jung ist. Dann sind die Chancen da, denn dann gibt es selten etwas, wofür man Verantwortung tragen muss. Junge Erwachsene sind freier und auch wenn man Sicherheit sucht – die Ausbildung und das Studium kann man auch im nächsten Semester beginnen.

Mitte der 1990er gab es im Online Marketing nicht die Möglichkeiten wie heute… es gab ja nicht mal richtiges Online Marketing, eher rudimentäre Vorläufer. Heute ist es viel einfacher, eine Menge Dinge auszuprobieren und sich dann zu entscheiden. Das sollten vor allem junge Leute tun, die in die Branche wollen. Aber auch Quereinsteiger sollten zu Anfang viel testen und schauen, was genau ihnen am meisten Spaß macht. Dieser Spaß muss nämlich vorhanden sein – wenn der Job keinen Spaß macht, dann kannst du es auch gleich sein lassen.

Fazit: Die Learnings in der Zusammenfassung

Einige der wichtigsten Learnings tauchen immer wieder auf, daher nochmal für dich zusammengefasst:

7 Tipps für Einsteiger
  • Investiere frühzeitig in Wissen und Coaching, nicht erst dann, wenn „der Laden läuft“. Nutze so viele Wege wie möglich, dich in deinem Bereich weiterzubilden.
  • Sei neugierig, probiere vieles aus und schaue dich in den verschiedensten Bereichen um. Du hast (noch) keine Ahnung, wohin die Reise geht und das ist auch gut so.
  • Gehe Risiken ein. Du kannst eh nicht absehen, was alles schiefgehen kann, also lass dich nicht von Ängsten und Zweifeln zurückhalten. Bestimme den Worst Case und versuche ihn zu vermeiden – aber abgesehen davon scheue Risiken nicht.
  • Netzwerke intensiv. Lerne die relevanten Leute der Branche kennen und baue ein großes und aktives Netzwerk auf.
  • Fokussiere dich nicht auf das Geld, sondern darauf, zu lernen und einen massiven Mehrwert zu bieten. Das Geld folgt dann ganz von alleine.
  • Hab Spaß bei dem, was du tust. Wenn du merkst, Online-Marketing & Selbständigkeit sind doch nichts für dich – kein Problem, mach was anderes. Aber ohne Spaß wirst du nicht durchhalten.
  • Wenn du „richtig“ gründen willst, besorge dir ausreichend Kapital. Du wirst immer mehr Geld brauchen, als du denkst.


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