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Spaß beiseite – Was Unternehmen von Fun-Seiten auf Facebook lernen können

Sie gehören zu den erfolgreichsten und interaktionsstärksten Seiten auf Facebook – Seiten wie „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ oder „Tattoofrei – Es ist schön, keine Tattoos zu haben“. Hunderttausende von Facebook-Fans holen sich ihre täglichen Lacher über diese Fun-Communities – mich selbst eingeschlossen.

Doch wenn man genauer hinschaut, steckt dahinter mehr als nur reiner Spaß. Tatsächlich können auch Unternehmen eine Menge über erfolgreiches Facebook-Marketing von diesen Seiten lernen.

In diesem Artikel habe ich 7 Taktiken zusammengetragen, die erfolgreich von Fun-Seiten genutzt werden – und die auch du für dein Unternehmen nutzen kannst. Viel Spaß!

1. Ingroup-Outgroup – Community-Building durch Ausgrenzung

Eine der ältesten psychologischen Methoden zum Aufbau von eingeschworenen Gemeinschaften ist das „Ingroup/Outgroup“-Denken. Jede Ideologie und jede Religion setzt auf diese Strategie – wir hier drinnen und die da draußen. Häufig wird diese Abgrenzung auch durch entsprechende Begrifflichkeiten deutlich gemacht (Gläubige/Ungläubige, Deutsche/Ausländer, etc.). Kaum etwas schafft ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl. Ein mächtiges psychologisches Werkzeug.

Dieses Instrument machen sich auch die Fun-Seiten zu Nutze. Zu beobachten ist das zum Beispiel bei „Tattoofrei“, die die Nicht-Tättowierten als „Reinhäuter“ und die Tättowierten als „Tintlinge“ bezeichnen. Auch wenn das natürlich reiner Spaß ist – es schafft zwei Gruppen mit klarer Abgrenzung.

Bei der Boybuilding-Funseite „Die Kirche des Bizeps“ heißen die Trainierenden „Stemmbrüder“ oder „Eisenbrüder“, während die Schmalen, Untrainierten meist als „Lauch“ oder „Lappen“ bezeichnet werden. Lustig, aber auch effektiv.

Überlege, wie du das Zugehörigkeitsgefühl unter deinen Kunden steigern kannst. Denke über Begrifflichkeiten nach, die diese Zugehörigkeit und Abgrenzung klarmachen.

2. Facebook-Events – Virale Reichweitenbringer

Momentan gehen sie unglaublich viral: Spaßige Facebook-Veranstaltungen, zu denen unzählige Menschen zusagen. Egal, ob es um „Schritt für Schritt das Rauchen anfangen“ oder den „Stuttgarter Drogenflohmarkt“ geht, diese Events gehen ab. Dabei steckt kein sinnvoller Hintergrund dahinter, es geht einfach nur um Spaß, quasi die Weiterführung der aus StudiVZ bekannten Nonsense-Gruppen.

Doch man kann tatsächlich etwas daraus lernen. Denn Facebook-Events eignen sich auch für Unternehmen als Marketingtool hervorragend. Events bieten neben der Fanpage einen weiteren Zugang zu den Zielgruppen.

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Eine Eventzusage wird relativ prominent unter den Freunden des Zusagers angezeigt. Die Reichweite dürfte (gefühlt) die von „normalen“ Seitenbeiträgen übersteigen, was zu sehr guten viralen Effekten führen kann. Auch wenn das Event nicht so spaßig ist wie „Nie wieder arbeiten – Reich werden mit Spielhallenbesuchen“.

Dabei muss es sich auch nicht zwingend um „reale“ Veranstaltungen, die irgendwo durchgeführt werden. Prinzipiell können alle mit einem Datum versehene Ereignisse als Event angelegt werden. True fruits hat zum Beispiel den Verkaufsstart der Limited Edition als Facebook-Veranstaltung angelegt.

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Lege die Veranstaltungen deines Unternehmens, wichtige Ereignisse, Messeauftritte und alles, was ein Datum hat, als Facebook-Event an. Nutze dafür die Fanpage als Veranstalter und weise aktiv auf die Facebook-Veranstaltung hin.

3. Memes – Alt, aber wirkungsvoll

Sie gehören zu den ältesten Elementen des Internets: Mit weißem Text versehene Bilder, so genannte Memes. Im Fun-Bereich werden sie von jeher genutzt. Nicht nur Tattoofrei setzt auf die Kraft von Memes.

Der große Vorteil liegt in der hohen Wiedererkennbarkeit. Memes sind einfach bekannt, hat jeder schonmal gesehen. Das schafft ein Gefühl der Vertrautheit und zaubert den Betrachtern ein Lächeln auf die Lippen – perfekt für Viralität.

Erarbeite Memes, die Bezug zu deinem Thema oder deinem Unternehmen haben. Besonders gut eignen sich Memes, die sich auf aktuelle Ereignisse beziehen und einen lustigen/ironischen Inhalt haben.

4. Running Gags – Der Rote Faden

Auch dieser Aspekt zielt auf Wiedererkennbarkeit und Vertrautheit ab. Die meisten Spaß-Seiten schaffen Elemente, die regelmäßig wiederkehren. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Begrifflichkeiten, Personen oder andere Inhalte.

Die „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ postet zum Beispiel jeden Freitag inspirierende Inhalte zum #powerfreitag.

Auch das all seitz beliebte Berchen kommt regelmäßig zum Zug. Diese Bilder gehören zu denen mit den meisten Reaktionen auf der Fanpage.

Besonders intensiv arbeitet Tattoofrei mit Running Gags. Manche davon sind wirklich nur noch von Hardcorefans verständlich. Das häufig auftauchende Wort „Erdbeermilch“ zum Beispiel stammt aus einer Hassmail, in der ein des Lesens und Schreibens nur im Ansatz mächtiger Tätowierter den Seitenadmin als „erbermlich“ bezeichnet hatte. Daraus entstand der mittlerweile ständig genutzte Gag der Erdbeermilch. Muss man wissen.

Schaffe wiederkehrende Elemente, mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann. Im besten Fall erwartet die Zielgruppe bereits, dass das Element wieder auftaucht. Dabei kann es sich um Inhalte, Gags, Hashtags mit bestimmten Thema oder andere Inhalte handeln.

5. Referenzierung – Bezugnahme auf Andere

In der Regel sind Menschen auf Facebook ja nicht nur Fan einer einzigen Fanpage, sondern haben ihr Like an verschiedene Seiten vergeben (im Schnitt übrigens 21 Seiten). Viele der Spaßseiten machen sich diese Tatsache zu Nutze und nehmen untereinander Bezug aufeinander.

Das erfolgt manchmal direkt für alle ersichtlich, zum Beispiel durch einen Share oder eine Verlinkung der anderen Seite im Post. Manchmal aber auch subtiler durch Anspielungen.

Die Seite „Hunde raus aus Deutschland“ zum Beispiel nimmt Bezug auf die Tatsache, dass Tätowierte immer und ausnahmslos kriminell sind, wie wir dank „Tattoofrei“ bereits wissen.

Expliziter wird es zum Beispiel in diesem Post:

Beziehe andere Facebook-Postings mit ein. Greife zum Beispiel Gags anderer Seiten auf, share deren Post, tagge sie in deinem Beitrag. Das schafft Reichweite, macht Spaß und bringt vielleicht sogar neue Kooperationen hervor.

6. Texttafeln – Der perfekte Facebook-Content

Facebook hat eigene Gesetze, was gute Inhalte angeht. Neben Links und Videos funktionieren auch Bilder immer wieder sehr gut. Vor allem hat sich ein Format durchgesetzt: Passend zugeschnittene Bilder mit Texten.

Diese Methode wird sehr häufig von kitschigen Sprücheseiten verwendet (woraufhin ja die „Nachdenkliche Sprüche mit Bildern“-Seite entstanden ist), kann aber auch „seriöser“ genutzt werden.

Die Postillon-Tochter „Faktillon“ hat mit dieser Art von Inhalten innerhalb kürzester Zeit eine enorme Fanbasis aufgebaut.

Aber auch viele andere Fun-Seiten nutzen Texttafeln als Content-Element:

Das lässt sich tatsächlich in jedes Business übertragen – natürlich mit anderen Inhalten. Wichtig sind ein einheitlicher, wiedererkennbarer Aufbau, Logo, eventuell noch URL oder Hashtag. Damit entsteht durch die virale Reichweite auch ein starker Mehrwert für die Marke.

Stelle wichtige Fakten, interessante Zitate oder kurze Highlight-Sätze als Texttafel dar. Achte auf ein einheitliches, attraktives Layout und baue das Logo ein.

 

7. Nostalgie – Früher war alles besser

Besonders gut funktionieren auf Facebook Postings, die sich auf eine gemeinsam erlebte Vergangenheit beziehen. Das Bild mit der Kassette und dem Bleistift sowie der Behauptung, dass junge Menschen den Zusammenhang nicht mehr verstehen werden, hat sich Millionenfach verbreitet. Auch die Fun-Seiten nutzen dieses Phänomen gern.

Psychologisch spielt hier auch der Ingroup-Outgroup-Gedanke eine Rolle. „Wir“, die wir das noch von früher kennen, gegen „die“ heute. Außerdem weckt diese Strategie nostalgische Gefühle, die oft zu den stärksten Emotionen der Menschen gehören. Warum das also nicht im Marketing nutzen?

Überlege, ob es Dinge aus der Vergangenheit gibt, auf die sich deine Zielgruppe gemeinsam beziehen kann. Baue Content, der dieses gemeinsame Nostalgieerleben in den Mittelpunkt stellt.


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Kommentare


What companies can learn from Funny Facebook Pages « Non-English Online Marketing – News and articles from european online marketing blogs. 17. Juni 2016 um 17:23

[…] Spaß beiseite – Was Unternehmen von Fun-Seiten auf Facebook lernen können […]

Antworten

Was ist das für 1 Imageschaden? Xavier Naidoo live in Shitstorm 17. Oktober 2016 um 23:17

[…] Lustig zu sehen ist nicht nur die bloße Anzahl an Kommentaren und deren Themen, sondern vor allem auch die Art, die fast alle Kommentatoren verwenden. Sie bedienen sich nämlich fleißig an der „Was ist das für 1“-Sprache, die sich seit einigen Monaten im Netz verbreitet hat (maßgeblich ausgelöst von der Fun/Satireseite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ – was Unternehmen davon lernen können, steht übrigens hier). […]

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