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Online-Konferenzen: Umfrage-Ergebnisse und Tipps für Veranstalter

Die Corona-Krise bringt es mit sich, dass fast alle Konferenzen der Online-Branche, wenn nicht abgesagt oder verschoben, dann digital durchgeführt werden. Für Veranstalter bedeutet das nicht nur technische Herausforderungen, sondern auch die Frage, wie die Teilnehmer auf die digitalen Formate reagieren. Welche Preise sie zu zahlen bereit sind. Und was bei einer digitalen Konferenz beachtet werden sollte, damit die Teilnehmer trotzdem begeistert sind.

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich im Mai und Juni 2020 eine Online-Umfrage durchgeführt. Insgesamt haben sich 319 Menschen an der Umfrage beteiligt (n=319). Fast alle Teilnehmer (94,5%) hatten in den letzten 3 Jahren Offline-Konferenzen besucht, 84% auch mindestens eine Online-Konferenz.

Hier sind die Ergebnisse.

Zahlungsbereitschaft für Online- und Offline-Konferenzen

Die Frage, die jeden Veranstalter bewegt, ist: Was dürfen Tickets für digitale Events kosten? Müssen sie günstiger sein als für Offline-Events? Und wenn ja, wieviel günstiger?

52% der Befragten sind bereit, für eine eintägige Offline-Konferenz mehr als 300 Euro zu investieren. 17% sogar mehr als 500 Euro. Am stärksten etabliert ist die Preisspanne zwischen 401 und 500 Euro – 21% wären bereit, einen Ticketpreis in diesem Bereich zu bezahlen.

Welcher Ticketpreis ist angemessen für eine eintägige Offline-Konferenz?

Welcher Ticketpreis ist angemessen für eine eintägige Offline-Konferenz?

Für Online-Konferenzen ist die Zahlungsbereitschaft deutlich geringer. Nur noch 5% würden mehr als 300 Euro ausgeben, nur 3% mehr als 500 Euro. Ganze 59% der Teilnehmer erwarten Ticketpreise von unter 100 Euro, jeder vierte möchte sogar weniger als 50 Euro investieren.

Welcher Ticketpreis ist für eine eintägige Online-Konferenz angemessen?

Welcher Ticketpreis ist für eine eintägige Online-Konferenz angemessen?

90% möchten für reine Online-Konferenzen weniger bezahlen als für Offline-Konferenzen, nur 10% gleichviel. Ein einziger Teilnehmer war bereit, für online mehr zu bezahlen als für offline (wurde hier nicht berücksichtigt).

Fast alle Befragten möchten online weniger bezahlen

Fast alle Befragten möchten online weniger bezahlen

Die Preisbereitschaft unterscheidet sich dabei deutlich. 65% der Befragten möchten weniger als die Hälfte für ein Online-Event bezahlen wie für ein Offline-Event. Bei mehr als jedem Dritten (35%) ist die Zahlungsbereitschaft sogar 71-100% geringer.

Wieviel weniger sollte eine Online-Konferenz kosten?

Wieviel weniger sollte eine Online-Konferenz kosten?

Im (arithmetischen) Mittelwert sehen Teilnehmer 362 Euro für eine eintägige Offline-Konferenz als angemessen an, für Online nur 150 Euro (der Median lag online bei nur 100 Euro).

Durchschnittliche Preisbereitschaft Online und Offline

Durchschnittliche Preisbereitschaft Online und Offline

Damit möchten Menschen für eine Online-Konferenz im Durchschnitt nur 41% von dem ausgeben, was sie für einen Offline-Tag investieren würden.

Einstellungen zu Online-Konferenzen

Nach der eher ernüchternden Preisbereitschaft sehen wir uns einmal an, wie die Haltung der Teilnehmer zu Online-Konferenzen ausfällt. Dabei fällt auf: Ein großer Teil der Befragten (41%) stimmt der Aussage, dass Online-Events ein guter Ersatz für Offline-Konferenzen sind, eher oder vollständig zu ; 27% sind in dieser Hinsicht eher neutral; 31% lehnen die Aussage eher oder komplett ab.

Sind Online-Konferenzen ein guter Ersatz für Offline-Konferenzen?

Sind Online-Konferenzen ein guter Ersatz für Offline-Konferenzen?

Werbung in Online-Vorträgen?

Ein absolutes No-Go auf den meisten Konferenzen, auf denen ich als Speaker unterwegs bin. Quasi alle einschlägigen Konferenzen verbieten ausdrücklich Pitches und Werbung in den Vorträgen. Auch als Fachbeiratsmitglied der OMX Konferenz vertrete ich diese Haltung. Die Teilnehmer sind dafür auch immer sehr dankbar.

Bei Online-Konferenzen sehen die Teilnehmer das offenbar weniger streng. Zwei Drittel (67%) finden werblichen Inhalt in Online-Vorträgen überwiegend oder komplett in Ordnung, wenn der Vortrag ansonsten nützlichen Inhalt liefert. Nur 6% lehnen das entschieden ab.

Sind werbliche Inhalte (Pitches) in Online-Vorträgen ok?

Sind werbliche Inhalte (Pitches) in Online-Vorträgen ok?

Wäre es dann nicht eine Option, Online-Konferenzen komplett kostenlos anzubieten und über Werbung in den Vorträgen bzw. verkaufte Slots zu finanzieren? Oder schaden kostenlose Tickets der wahrgenommenen Seriösität des Events?

Die Teilnehmer sehen das überwiegend nicht so. 44% lehnen die Idee, dass kostenlose Events weniger seriös sind, komplett oder überwiegend ab. Nur 13% stimmen dem absolut zu; 23% tendieren eher zu dieser Sichtweise. Die Sichtweise scheint diesbezüglich also stark auseinander zu gehen, wobei offenbar weder ein kostenloses Event noch Pitches in Vorträgen ein absolutes No-Go ist.

Sind kostenlose Online-Events generell weniger seriös?

Sind kostenlose Online-Events generell weniger seriös?

Haben die Menschen überhaupt Lust auf Online-Konferenzen?

Die gute Nachricht: Ja, sie haben. 60% würden in Zukunft gerne regelmäßig Online-Konferenzen besuchen; 25% sind eher indifferent und nur 16% lehnen den Gedanken überwiegend oder vollständig ab.

Die Menschen haben Lust auf Online-Konferenzen

Die Menschen haben Lust auf Online-Konferenzen

Was fehlt den Teilnehmern online?

Eine wichtige Information ist, was Teilnehmern bei Online-Events vermissen. Dieser Punkt wurde offen abgefragt und die Antworten dann geclustert. Da Mehrfach-Antworten möglich waren, ergibt die Summe mehr als 100%.

Am stärksten fehlt den Teilnehmern die menschliche Seite: 60% beklagen fehlenden persönlichen Austausch und Kontakt, 50% vermissen das Netzwerken. Hier sind Veranstalter von Online-Events dringend angehalten, Möglichkeiten für Austausch und Networking zu schaffen.

Was ist online schlechter?

Was ist online schlechter?

Auch die Atmosphäre, der Spaß, das „Feeling“ fehlt vielen Teilnehmern (16%). Viele beklagen auch eine höhere Ablenkung und eine schlechtere Konzentration oder weniger Fokus bei Online-Konferenzen (15%). Hier haben manche Teilnehmer noch etwas spezifiziert: sie lassen sich von Anrufen ablenken, checken nebenbei E-Mails, haben Kinder, Partner oder Haustiere um sich etc.

Einfach mal „rauskommen“ und reisen möchten 10%. Auch der Kontakt zu den Vortragenden war jedem zehnten wichtig – auch hier besteht ein Anknüpfungspunkt für Veranstalter.

Was schätzen Teilnehmer bei Online-Konferenzen?

Online ist aber natürlich nicht „alles schlecht“. Digitale Formate bieten auch eine Reihe von Vorzügen. Die Zeitersparnis (72%) und die Kosten (35%) stehen dabei für viele Befragte im Vordergrund.

Was ist online besser?

Was ist online besser?

Aber auch die stärkere Flexibilität (31%) schätzen viele. Besonders wichtig für Veranstalter: Aufzeichnungen der Vorträge sind für 19% ein wichtiges Argument pro Online-Konferenz…

Die Erkenntnisse zusammengefasst

  1. Online-Konferenzen müssen deutlich günstiger sein als Offline-Events. Im Schnitt möchten die Teilnehmer nur 41% von dem ausgeben, was sie für Offline-Konferenzen bezahlen; ein großer Teil sogar weniger als 100 Euro. Mehr als 150 Euro sollte ein Ticket nicht kosten.
  2. Online-Konferenzen sind relativ beliebt. Die Mehrheit hält sie für einen guten oder sehr guten Ersatz für Offline-Events oder ist in dieser Frage eher unschlüssig. Nur 8% lehnen Online-Konferenzen als Ersatz entschieden ab.
  3. Ein Großteil der Befragten (60%) hat Lust, in Zukunft regelmäßig Online-Konferenzen zu besuchen.
  4. Kostenlose Online-Konferenzen werden nicht per se als unseriöser angesehen.
  5. Werbliche Inhalte in Online-Vorträgen sind generell akzeptiert (67%), wenn der Inhalt des Vortrags ansonsten nutzbringend ist. Veranstalter können online also durchaus von einer No-Pitch-Policy abweichen.
  6. Was bei Online-Konferenzen fehlt, sind vor allem die persönliche Begegnung und das Netzwerken. Veranstalter sollten dies so gut wie möglich sicherstellen (z.B. durch Breakout-Rooms, Networking-Tools etc.).
  7. Vielen Teilnehmern fehlt die Konferenz-Atmosphäre und das „Feeling“. Hier müssen Lösungen geschaffen werden, eine Konferenz-Stimmung aufkommen zu lassen, auch wenn die persönliche Begegnung nicht möglich  ist.
  8. Der Kontakt zu Vortragenden ist ebenfalls vielen Teilnehmern wichtig (10%). Hier sollten Veranstalter ebenfalls Möglichkeiten bieten, z.B. durch Breakout Sessions mit den Speakern nach den Vorträgen.
  9. Für Online-Konferenzen sprechen vor allem Zeit- und Kostenersparnisse (72% und 35%) sowie eine höhere Flexibilität (31%).
  10. Für 19% sind Aufzeichnungen der Vorträge wichtig – ein klarer Hinweis an die Veranstalter.

Die Learnings als Infografik

Diese Infografik kann unverändert mit Quellen-Nennung kostenfrei verwendet werden (hier gibt’s die unkomprimierte Version zum Download (PNG, 0,3mb).

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Kommentare


Wolfgang Jung #jungdigital 13. Juli 2020 um 17:47

Ich habe teilgenommen und finde mich komplett in den Ergebnissen wieder. Sehr schöner Status Quo. Danke.

Antworten

Sebastian Neumann 15. Juli 2020 um 1:52

Ich kann die Umfrageergebnisse in großen Teilen als Weiterbildungsanbieter bestätigen. Wir haben Corona bedingt Präsenzfortbildung zu 100 Prozent in Live-Webinar umgewandelt. Allerdings sind wir kein Tagesseminar, sondern 100 Unterrichtsstundenangebot. Zum einen sind wir mit den geleisteten Ergebnissen sehr positiv überrascht und die Teilnehmer-Feedbacks sind sehr nah an deinen Umfrageergebnissen. Danke für deine Orientierung mit der brandaktuellen Umfrage!

Antworten

Julian 21. Juli 2020 um 18:30

Hi Felix,

Vielen Dank für die Umfrage! Das Thema interessiert mich auch sehr, weil ich viele Konferenzveranstalter kenne. Für die ist die Situation natürlich derzeit wirklich nicht optimal. Wer nun anfängt seine Inhalte für den gleichen Preis online wie offline anzubieten, der wird langfristig vom Markt verschwinden.

Leider haben es viele Konferenzveranstalter noch nicht verstanden und ihr Pricing und auch ihr Marketing nicht gut genug auf die veränderte Situation ausgerichtet. Für eine erfolgreiche Konferenz brauche ich jetzt eben nicht mehr 900 Teilnehmer à 600 Euro, sondern eben 9.000 Teilnehmer à 60 Euro, um die gleichen Umsätze zu fahren. Hybridmodelle sind gefährlich, das lässt sich schwer kombinieren.

Außerdem: Bei so hohen Teilnehmerzahlen reicht Mund-zu-Mund-Propaganda wie bisher nicht aus, sondern man muss richtig massiv investieren (z.B: in Paid Ads jeglicher Art) und ein komplett anderes Marketing machen als bisher. Willkommen im Massenmarkt – ist ja auch nicht schlecht, aber einfach ein anderer Markt. Da brauche ich dann nämlich auch viel mehr Basic-Vorträge als bisher um die Masse zu erreichen. Ich weiß nicht, ob sich die Veranstalter einen Gefallen tun, wenn sie mit den Stühlen zwischen diese beiden Welten rutschen. Da wird es nämlich dann ganz dünn.

Alles nicht so einfach! 🙂

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