15.12.2121

6 Kommentare

Da hast du aber sofort geklickt! Wär ja schlimm, wenn man die allerneuesten Trends verpassen würde oder?


Jedes Jahr zum Jahresende mehren sich wieder die Anfragen von Blogs, Journalisten und Experten, die (nicht nur) meine Einschätzung für die nächsten Social Media/SEO/Digital/Whatever-Trends des nächsten Jahres erfragen möchten. Und kurz darauf flutet eine Welle von "Social Media / SEO / Digital / Whatever-Trends 2022" das Netz.


Warum? Weil es massig Traffic liefert. Weil die Unternehmen da draußen danach gieren. Und deshalb fühlt man sich als Experte genötigt, sich immer wieder neue "Trends" aus den Fingern zu saugen (auch wenn die "Trends" aus diesem Jahr noch "gut" wären, es muss ja was Neues her).

Oft sind die Trend-Einschätzungen die meistgelesenen und meistgeteilten Beiträge in den Blogs überhaupt. Und ich prangere das an.

Als ob es pünktlich zum Korkenknallen jedes Jahr neue Trends gäbe und die alten wären abgehakt.

Der Jahreswechsel beendet nicht alle Trends und schafft nicht plötzlich komplett neue. 

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Ich habe mich entschieden, erstmal nicht mehr bei dieser allherbstlichen Jagd nach den neuesten Trends mitzumachen. Und das hat 3 Gründe.


1. Die meisten Trend-Prognosen sind keine Trends oder liegen falsch


Wenn man wie ich diese Themen schon über mehrere Jahre verfolgt, wird schnell klar - die meisten Einschätzungen der Experten liegen entweder falsch, sind ein Jahr später wieder vergessen oder sind gar keine Trends.


Seit Jahren wird jedes Jahr der Durchbruch von AR/VR, Chatbots und perfektem Tracking als Trend proklamiert. Wie sieht die Realität aus? 2% der Deutschen haben eine VR-Brille, WhatsApp hat die Chatbots gekillt und auch viele ehemals spannende Facebook Chatbots wurden eingestellt und zunehmende Datenschutzbemühungen und rechtliche Änderungen (Stichwort Privacy Shield, Cookie Consent, iOS14 etc.) machen Tracking eher schwieriger und lückenhafter als besser. Stories? Sowohl LinkedIn als auch Twitter haben innerhalb von 12 Monaten Stories eingeführt - und wieder abgeschafft. Ein Trend ist halt noch lange kein Garant für's Funktionieren... Ein großer Teil der proklamierten Trends sind 1-2 Jahre später einfach wieder vergessen.

Die meisten Trend-Prognosen liegen falsch. Hab ich bei Google+ auf meiner Google Glasses gelesen. 

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Und ein weiterer Teil sind keine Trends, sondern schon seit Jahren dabei. Aktuell werden zum Beispiel wieder Podcasts als Trend gefeiert - clevere Unternehmen haben das schon seit 7-8 Jahren auf dem Schirm.


2. Die allermeisten Unternehmen haben noch nicht mal die Basics umgesetzt


Ich könnte so oft weinen, wenn mich ein Unternehmen nach den neuesten Trends fragt, aber die absoluten Grundlagen noch nicht einmal im Ansatz umgesetzt hat.


Ganz ehrlich: 80% der Unternehmen da draußen haben auch die Themen von vor 3-4 Jahren (die Kollegin Vivian Pein schätzt sogar 10 Jahre, wo ich durchaus mitgehen würde) noch nicht richtig etabliert. Die Meisten wären mit den Basics viel besser bedient, wenn sie DIE mal sauber umsetzen würden.

80% der Unternehmen wären mit den Basics besser bedient, als immer den neuesten Trends hinterher zu laufen.

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Was bringt es denn, immer nach dem neuesten Trend zu gieren, wenn die grundlegenden SEO-Faktoren nicht optimiert wurden, der Content auf Instagram immer noch genau so lame ist wie vor 5 Jahren und immer noch kein sauberes E-Mail-Marketing etabliert wurde (mit Ausnahme des gelegentlichen Alibi-Newsletters natürlich).


Nein, du musst nicht auf TikTok Tanz-Challenges mitmachen, wenn die Leads deines Kontaktformulars noch nicht automatisch ins CRM übertragen werden. Nein, du musst keine Twitch-Influencer-Strategie
haben, wenn du noch nicht mal eine saubere schema.org Integration in deiner Website hast. Und nein, du musst keine AR-Lenses auf Snapchat anbieten, wenn du immer noch keine vernünftige Strategie für die Einbeziehung deiner Mitarbeiter in die öffentliche Kommunikation (Trend "Corporate Influencer", früher einfach "die Erna erzählt ihren Freunden, dass ihr Arbeitgeber echt nice ist") hast.


3. Jeder proklamiert das als Trend, was er verkauft


Dazu kommt, dass jeder natürlich das als Trend proklamiert, was er verkauft: der Bot-Programmierer empfiehlt Chatbots als heißen Trend, der Predictive Analytics Anbieter eben Predictive Analytics, der Weiterbildungs-Anbieter mahnt zu umfassender Weiterbildung als wichtigsten Trend und die TikTok-Agentur kennt nur einen heißen Trend: ihr dürft raten ?


Also, bevor Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres wieder an allen Ecken und Enden die heißesten Trends verkündet werden, schalte vielleicht mal einen Gang zurück. Es gibt nicht jedes Jahr zum 01.01. neue Trends, die du UNBEDINGT mitmachen musst. Guck lieber erstmal, ob du alle Basics gemeistert und das, was für dich WIRKLICH wichtig ist, perfekt implementiert hast.


Hast du die Basics abgedeckt? Das kannst du z.B. im Crashkurs Digitales Marketing rausfinden. Dort schauen wir uns alle 7 Bereiche des Digitalen Marketings und deine Unternehmens-Performance in diesen Bereichen an - unabhängig von Trends, aber mit allem, was wirklich wichtig ist!


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  1. Bravo Felix,
    das trifft es perfekt. Viele Kleinst-Websites sind noch nicht mal sauber mobil erlebbar. Und viele lokale Unternehmer sind absolute GMB-Analphabeten.

  2. Vielen Dank Felix – du sprichst mir sowas von aus der Seele! Ich bin selber Online-Marketing Spezialistin, und zwar mit fachlicher Ausbildung (ja, ich bin vor ein paar Jahren neben der Arbeit zur Schule gegangen und habe viel dafür bezahlt ?). Ich finde diese selbsternannten "Experten" schrecklich, die Online-Marketing falsch kommunizieren und z. B. erzählen, Online-Marketing sei Google Ads, Facebook oder Instagram. Die dann aber nicht mal wissen, was ein h1-Titel oder ein Snippet sind. Nun ja, aber dafür gibt es ja Leute wie uns, die für Aufklärung sorgen ?

  3. Deine Anti-Trend-Aussagen zu den Social Media Trends 2021 treffen leider auf sehr viele Digitalthemen in Deutschland zu, aber es greift womöglich immer noch zu kurz. Solange wir in Deutschland meinen oder Angst haben, dass uns digitale Prozesse und Optimierungen oder Online-Marketing menschliche Jobs kosten, solange stellen wir die falschen Fragen. Mein Unternehmen trägt z.B. den Namen "PreLean" nicht ganz ohne Grund im Namen. Wir schauen gespannt zu Toyota, Tesla, Apple oder Amazon und wundern uns über deren Erfolge, aber in Wahrheit gibt es die Unternehmen schon seit Jahrzehnten. Sie haben sich nur konsequent den Kundenwünschen oder der kontinuierlichen Verbesserung gestellt. Viele deutsche Unternehmen fokussieren sich aber lieber auf die Probleme und nicht auf die Lösungen. Und daher rennen wir vermeintlich vielen Trends oftmals hinterher, als die vorhandenen Tools und die Kenntnisse der Mitarbeiter konsequent zu nutzen oder zu entwickeln.

  4. Hallo felix,

    habe mich bei so viel Begeisterung vergessen zu bedanken. DANKESCHÖN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Nochmals Grüße
    Peter

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